27 February 2013 by Jannik Hoffjann on Games | assassins creed | games | mass effect | pc | science fiction

Video Games

Vor ein paar Wochen habe ich meinen PC aufgerüstet. Die alte Zusammensetzung machte immer mehr Probleme, lief nicht mehr stabil und hatte langsam aber sich an allen Stellen Flaschenhälse um neue und aktuelle PC-Spiele vernünftig wiederzugeben. Also investierte ich ein paar zusammengesparte Euro und rüstete meinen Rechner auf.

Seit diesem Upgrade und als nettes Mitbringsel meiner Semesterferien verbrachte ich in der letzten Zeit einige Stunden vor dem Rechner und spielte seit langem mal wieder reine Singleplayerspiele mit richtig langer Kampagne. In sehr kurzer Zeit verschlang ich Mass Effect 3 und Assassin's Creed 3. Beide Serien verfolge ich seit den ersten Teilen, Mass Effect 1 und 2 habe ich sogar mehrfach durchgespielt und Assassin's Creed habe ich damals für sein neues, großartiges Spielgefühl gefeiert.

Nun kann ich nicht behaupten, dass ich beim Spielen kein Spaß gehabt hätte, im Gegenteil. Beide Titel sind extrem umfangreich und bieten tonnenweise Entdeckungspotenzial. Beide bringen sie eine lange Story an ein Ende. Und zumindest Mass Effect 3 schafft es (zumindest nach dem DLC) auch ein einigermaßen angemessenes Ende zu finden. Ich hatte viel Spaß an beiden Spielen und habe auch viel nebenher erledigt ohne stumpf durch die Kampagne zu rennen. Trotzdem war ich bei beiden Titeln nicht richtig zufrieden. Ich möchte das mal für beide Titel getrennt aufdröseln.

Das erste Assassin's Creed kaufte ich mir mit 16 in einem Urlaub in einem Elektronikgroßmarkt, weil es ein paar Euro runtergesetzt war und ich noch grad so genug Geld übrig hatte. Den ganzen Resturlaub freute ich mich darauf die DVD Zuhause in den PC zu schieben und endlich dieses Spiel zu spielen von dem die Fachzeitschriften schwärmten. Ich war begeistert von dem Spiel, ich habe es geliebt, die ganzen kleinen Macken haben mich recht wenig gestört und die Story hat mir sehr gefallen. Dann kamen drei weitere Teile und sie gingen an mir vorbei. Ich habe sie alle komplett gespielt und abgeschlossen, ich habe gefühlte tausend mal die gleiche Nebenquest erfüllt. Habe jedes Gebäude Italiens erklommen und allein die Weltgeschichte verändert. Ich bin der übermächtige Krieger der von seinen Gegnern grundsätzlich nur nacheinander angegriffen wird und der mit für ein paar Stücke Gold all seine Verbrechen vergessen machen kann. Nebenbei bin ich noch irgendein Barmann der entführt, in einer Maschine eingesperrt und dazu gezwungen das Leben seiner Nachfahren nachzuerleben wird.

Dann kam Assassin's Creed 3. Ich muss sagen ich habe mir viel von dem Titel erhofft. Neues Setting, der versprochene Abschluss der Trilogie. Vielleicht noch irgendein sinnvolles schönes Ende um Desmond. Und ja. Das Setting ist toll. Aber Connor ist doof, er ist ein komplett unsympathischer Protagonist für den ich während des kompletten Durchspielens, weder Mitgefühl noch sonst irgendwas empfinden konnte. Warum muss ich den spielen? Connors Vater Haytham ist deutlich charismatischer, und auch wenn ich seine Beweggründe nicht mag, er ergibt wenigstens als Charakter Sinn.

Beim Spielaufbau empfinde ich ähnlich wie bei den drei vorhergegangen Teilen. Warum wird versucht die ganze Geschichte in dieses Animusding reinzuquetschen? Das ganze Ding ist furchtbar verwurstet und macht kein Sinn mehr. Sämtliche Desmond-Abschnitte sind zudem die nervigsten Abschnitte in einem Spiel seitdem ich PC-Spiele konsumiere. Alles ist derart lieblos und detailarm gestaltet, die Modelle sind furchtbar und die Texturen langweilig. Es wirkt als wäre die Abschnitte 5 Jahre vor dem Rest des Spiels entstanden und seitdem nicht mehr verändert worden. New York, Boston und das Grenzland der Revolutionskriege wirken extrem lebendig, natürlich und glaubwürdig. Die Gegenwart ist langweilig und doof. Im eigentlichen Teil des Spiels fragt man sich dann warum man immer wieder das gleiche machen muss. Warum das Spielprinzip in den letzten Jahren kaum verändert wurde. Die Nebenquest nerven. Die Sammlerei ist todlangweilig und die Türme und Aussichtspunkte sind bis auf wenige Beispiele immer gleiche aufgebaut. Die Kämpfe könnte man auch automatisieren. Das Handwerkssystem ist überflüssig. Eigentlich merke ich gerade, dass das Spiel doch nicht so toll war.

Bei Mass Effect 3 war es ähnlich. Eins ist hier allerdings deutlich besser: Ich kann mich mit meiner Spielfigur identifizieren. Ich habe das Spiel mit einem alten Savegame aus ME 2 fortgesetzt, welches wiederum auf einem aus 1 basierte. Dadurch, dass so Charakter, vorher getroffene Entscheidung etc. übernommen werden, hat man die angenehme Illusion es wäre wichtig gewesen die vorherigen Teile gespielt zu haben und zu wissen was dort passiert ist. Die Geschichte ist dadurch deutlich greifbarer und wirkt trotz Science Fiction Genre deutlich realistischer. Während ich bei AC 3 nicht einmal mehr wusste warum auf einmal der Vater da ist und warum die eine Frau tot ist (weil einfach nicht darauf eingegangen wird), erlebt man bei Mass Effect 3 immer wieder Anspielungen auf vorherige Teile. Es werden offene Fragen geklärt und vieles macht nun deutlich mehr Sinn.

Was aber beide Spiele vereint ist die schiere Flut an Aufträgen. Wie bei Far Cry 3 oder Skyrim hat man das Gefühl, dass die ganze Welt mit Dingen vollgestopft wurde und man wirklich trotz Milliarden anderer Wesen die einzige Person ist die helfen kann. Das Questlog ist nach einiger Zeit so voll, dass man absolut nicht mehr weiß was man zuerst erledigen sollte. Oft war ich einfach nur vollends überfordert. Ich fühlte mich an MMORPG-Zeiten erinnert, in denen man sich überlegte was man ingame erledigen sollte bevor man das Spiel startet. Ich verstehe, dass Entwickler solch riesiger Spiele versuchen wollen dem Spieler mehr Spielzeit für ihr Geld zu geben. Wenn dies allerdings durch immer wieder gleiche Aufgaben erfüllt wird, halte ich das nicht für angenehm, sondern eher für nervig.

Ich habe nicht nach Abschluss der Story das Gefühl alles gesehen zu haben, habe aber auch nicht mehr das Bedürfnis mir ein x-tes Schwert oder Gewehr freizuschalten. Ich brauch es ja eh nicht mehr. Ich konnte die Story auch ohne abschließen. Ich habe nicht das Gefühl Spielzeit geschenkt bekommen, ich fühle mich eher um sie betrogen. Ich möchte Content, eine gute Geschichte und ernsthafte Dinge zu tun haben, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie der Profession der Spielfigur angemessen sind und deren Unterstützung erfordern. Aber als brandgefährlicher Assassine durch einen Wald zu hüpfen und Federn einsammeln ist, Entschuldigung, lächerlich. Anstatt viel Zeit auf das Design solcher Elemente aufzuwenden wünsche ich mir, dass solch Aufwand in die Entwicklung ernsthafter Elemente gesteckt wird, dass tolle Geschichten geschrieben werden, dass die Hauptquest nicht künstlich gestreckt, sondern nachvollziehbar erweitert wird. Und das nervige, unnötige Elemente gelöscht werden.

Und nebenbei: Einen Mass Effect oder Assassin's Creed Multiplayer braucht niemand.